Ute Gerhardt im World Wild Web

 
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Donnerstag, 07. August 2008

Nanu?

Stimmt, ich habe hier noch gar nichts über Saskias Kindergartenstart letzte Woche geschrieben. Eigentlich gibt’s da - bis auf eine Kleinigkeit - auch gar nicht viel zu schreiben. Die Eingewöhnung und der Start haben reibungslos geklappt, Saskia hat ihren Spaß und alle sind zufrieden.

Nur habe ich absolut nicht damit gerechnet, daß unsere Tochter so aus der Gruppe der neuen Kinder hervorstechen würde. Und zwar aus Gründen, über die ich nur staunen kann, hatte ich sie doch für völlig normale und durchschnittliche Fähigkeiten bei einem Kind in Saskias Alter (zur Zeit drei Jahre und vier Monate) gehalten: Ohne Begleitung zur Toilette gehen und anschließend Hände waschen, das Benutzen einer Kinderschere, sich selbst eine Schnitte Brot schmieren, sich für Bilderbücher und Geschichten interessieren und auch ruhig zuhören können… All das machen die anderen Kinder wohl noch lange nicht, lt. der heutigen Aussage der Erzieherinnen. Ich war platt.

Was mich auch erschreckt hat, ist die furchtbar verwaschene Aussprache mancher Kinder, die sogar noch ein gutes Stück älter sind als Saskia. Ich verstehe diese Kinder schlichtweg nicht, wenn ich sie reden höre oder sie mich gar direkt ansprechen. Keine Ahnung, wie die Kindergärtnerinnen das hinbekommen. Bin ich nun durch unsere Tochter so verwöhnt, oder zeigen sich an den anderen Kindern die Folgen z.B. übermäßigen Fernsehkonsums? Was ist “noch OK” für ein Kind in diesem Alter?

Rubrik: Gewundert | 11 Kommentare (244 mal gelesen) | Permalink
 
  1. Gute Frage - was ist “noch ok”. Ich glaube, dass Saskia “weiter” ist als andere Kinder (und sicherlich auch außergewöhnlich gut erzogen!).

    Auf der anderen Seite denke ich mir immer, dass Kinder in “diesem Alter” oftmals solche Entwicklungssprünge machen, dass sie innerhalb von Tagen oder Wochen von “viel zu weit zurück” in “absolute Vorbildrolle” wechseln. Das erlebe ich ja bei Tim im Moment ständig (Du erinnerst Dich an die Diskussionen, die ich im Kindergarten hatte).

    Die sprachlichen Unterschiede fallen mir aber in Tims Kindergarten auch auf. Ich will es eigentlich nicht aufs Fernsehen schieben, kann aber auch nicht ganz die Gedanken “wegschieben”, dass ich es mir bei “manchen Familien” mehr als gut vorstellen kann, dass es damit zusammen hängt....

    Aber es ist schön, dass Saskia sich so gut eingelebt hat im Kindergarten - ich bin mir sicher, einige Kinder werden von ihr einiges lernen können.

    Bianka  am  07.08.08
  2. Ich kann den Unterschied zwischen “noch normal” und “eben nich"t leider auch nicht ziehen.
    Eure Saskia ist älter (als Paula), und ich habe keine Erfahrungen mit DER Altersgruppe.
    Aber:
    Zitat:"das Benutzen einer Kinderschere, sich selbst eine Schnitte Brot schmieren, sich für Bilderbücher und Geschichten interessieren und auch ruhig zuhören können”
    kann Paula auch als einzige in ihrer Krabbelgruppe mit anderen 2,5 Jahre alten Kindern. Ebenso wie Spülmaschine ausräumen ("Wie, und die scharfen Messer”?), alleine im Treppenhaus 3 Etagen Treppen steigen ("Wie, Du läßt sie alleine Treppen steigen?"), Kühlschrank öffnen-Wasser heruausnehmen-wieder schließen ("Wie, und wenn der Kühlschrank nicht richtig zu ist anschließend?"). Ebenso wie Bitte und Danke und Ich freu mich oder ganz neu “Ich bedanke mich”. Ebenso wie Begrüßungsanreden, Handgeben und Verabschiedungsfloskeln.

    Selbständigkeit/gute Umgangsformen werd von einigen Eltern einfach nicht gefordert/gefördert, denn wie schlimm wäre es, das Kind nicht mehr in einer permanenten Abhängigkeit zu wisssen?
    Sorry, ich schweife ab.

    Wieviele Stunden pro Woche ist Saskia denn im Kiga?
    Bei uns ist nächsten Dienstag der Stichtag für die Kindergartenzeit mit 35-Wochenstunden.
    Ich freue mich, dass Saskia so toll entwickelt ist, gut gemacht!!

     am  08.08.08
  3. @Bianka: Über “gut erzogen” ließe sich manchmal streiten. *g*

    @Ulli: Saskia ist von ca. 8 - 15:30 Uhr dort. Macht also 37,5 Stunden in der Woche. Wobei ich aber ab und zu noch warten muß, bis sie ein Bild zuende gemalt oder ein Buch zuende angeschaut hat, bis wir gehen können. In der Zwischenzeit hat sich aber Tobias über die Bauklötze oder die Spielzeugautos hergemacht - und dann muß ich ihn erstmal wieder loseisen. wink

    Ute  am  08.08.08
  4. Vermutlich gehörst auch Du oder ihr zu der Gruppe Eltern, die sich tatsächlich noch mit ihren Kindern beschäftigen.

    Wir haben ähnliche Erfahrung gemacht als unsere Tochter in den Kiga kam. Erschreckend fand ich im letzten Jahr einen Infoabend für die Eltern der Vierjähigen, bei dem es hauptsächlich um die damals eingefürhte Sprachstanderhebung ging, unter anderem aber auch die Direktorin und zwei Lehrerinnen der nahen Grundschule anwesend waren, die ein paar Sachen zum Thema “Was sollte ein Kind können, wenn es die Schule kommt” gesagt haben. Nach diesem Abend habe ich gedacht, ich könnte mein Kind auch schon mit vier in die Schule schicken. Da kamen so Sachen wie alleine auf die Toilette gehen, sich alleine anziehen können - hier insbesondere Reißverschlüsse und Schuhe zumachen können, die Farben benennen können (wichtig zur Unterscheidung der verschieden farbigen Hefter für jedes Fach), sich Wege merken können um von einem Raum in den anderen zu finden, über eine längere Zeit konzentrier zuhören können etc. Besonders die Sache der Farbbennennung wurde so oft angesprochen, dass ich mich wirklich gewundert habe, denn wenn das kein Problem wäre, hätten sie ja nicht explizit darauf hingewiesen.

    Ganz schlimm finde ich, wenn Kinder ständig “ich will” sagen oder wenn sie etwas nicht verstanden haben “hä?”, deshalb haben wir von Anfang an darauf geachtet, dass JM “ich möchte” und “wie bitte” sagt. Damit sind wir im Kindergarten ziemlich alleine auf weiter Flur. Von “Bitte” und “Danke” oder ein “Guten morgen” wenn man in die Kiga-Gruppe kommt möchte ich da garnicht erst reden.

     am  08.08.08
  5. @Julia: Besonders Deinen letzten Abschnitt unterschreibe ich sofort. Wenn man sich zum Beispiel anhört, wie manche Leute im Restaurant ihr Essen bestellen, kommt mir 1. das kalte Grausen und 2. der Verdacht, daß es sich hier um ein generationenübergreifendes Problem handelt.

    Was die Farben angeht, wundere ich mich gerade auch etwas. Selbst mein nicht mal zweijähriger Sohn versteht doch schon, wenn ich ihm sage, er soll mir das gelbe Auto geben. Oder eben das blaue, das grüne, das weiße… Und im Bekanntenkreis ist das bei anderen Kindern in seinem Alter genauso. Wenn meine Kinder da im Schulalter noch Probleme hätten, würde ich mit ihnen zum Augenarzt gehen.

    Ute  am  08.08.08
  6. Meine Tochter ist zwar mit 2 Jahren und 11 Monaten etwas jünger und entwicklungsverzögert - Farben erkennen und benennen kann sie aber trotzdem schon recht lange. Anderes leider nicht und die Sprache ist bei ihr leider so verwaschen, dass jeder, der nicht täglich mit ihr zu tun hat, ziemliche Probleme hat, sie zu verstehen. Wir arbeiten dran, aber ich fürchte, ab nächste Woche im Kindergarten (wo sie dann auch noch das jüngste Kind ist), wird es nicht ganz so problemlos laufen wie bei Euch.

    Was das Fernsehen angeht, habe ich manchmal den Eindruck, dass sich das auch positiv auswirken kann und überlege dann schon, ob wir was falsch machen, wenn wir unsere Tochter eben NICHT fernsehen lassen. Bisher kennt sie das nicht und vermisst es auch nicht (und meiner Meinung nach braucht sie es auch nicht - oder doch?). Aber vielleicht ist “Berieselung durch TV” ja manchmal auch nützlich, denn obwohl ich viel mit meiner Tochter spreche, ist das natürlich immer nur *ein* Sprecher mit immer wieder ähnlichen Sätzen.

    Bücher anschauen hängt von der Tagesform ab und wird bisher meist vorm Einschlafen oder nach dem Aufwachen mehr oder weniger ausführlich gemacht, Hände waschen geht meine Tochter gern (allerdings geht sie noch nicht aufs Klo), Schneiden oder Brot schmieren ist motorisch leider nicht drin - da gäbe es Schwerverletzte.

    Von den Gleichaltrigen Kindern im Bekanntenkreis sind einige sehr weit mit Sprache und Selbständigkeit, andere können deutlich weniger, obwohl sich deren Eltern ebenso kümmern. Da ist einfach jedes Kind anders und wenn ich dein Blog lese, habe ich schon den Eindruck, dass Saskia da ganz schön weit ist.

    LG Kati

     am  08.08.08
  7. Hallo,

    manchmal glaube ich einfach, dass echt viele Kinder zurück sind und deshalb eigentlich völlig normal entwickelte Kinder so besonders erscheinen.
    Empfindlich bin ich allerdings derzeit sehr, was die Äußerungen zum Thema sprechen angeht. Der Kleine Prinz spricht auch noch nicht und wenn, wird er mal verwaschen sprechen. Wir werden das mit Logopädie hoffentlich in den Griff bekommen, wenn ich endlich mal einen Arzt finde, der mir nicht erklären will, dass er einfach nur sprachfaul ist. Ist er nicht, er war länger als ein halbes Jahr einfach nur taub. Leider habe ich das damlas nicht ernst genommen, sondern auf die Ärzte gehört, die meinten, Jungs sprechen eben später. Da die Prinzessin in seinem Alter aber bereits in 3-Wort-Sätzen gesprochen hat, werde ich mir von niemandem unterstellen lassen, dass es daran liegt, dass ich mich nicht mit ihm beschäftigen würde.
    Ich weiß auch, dass Ihr mich nicht angesprochen habt- rege mich aber mal stellvertretend für alle Eltern auf, deren Kinder vielleicht aufgrund einer Entwicklungsstörung nicht sprechen können.
    LG

    Anne

    Frau Bond  am  09.08.08
  8. Mir fällt dabei ein Gespräch mit einer Freundin ein, die beunruhigt ihren Sohn mit den Tabellen im gelben Heft verglich.

    Ich sagte zu ihr: “Geh doch mal ins nächste gefüllte Straßencafé, und vergleich die Menschen, die du dort in eine Reihe stellen könntest - wie viele sind gleich groß, gleich schwer, gleich clever, gleich nett, in der gleichen inneren Entwicklungsphase? Mit Glück findest du zwei, die sich zumindest ähneln, aber du bist auch nicht erstaunt, wenn es nicht so ist. Warum also das Kind an-, ab- und vergleichen?” Seitdem ist sie etwas entspannter grin

    (Ich weiß, die von Ute geschilderte Situation ist weit komplexer, aber die Vergleicherei generell scheint mir so viel Unruhe und Schmerz zu erzeugen bei so vielen ... das muss wirklich nicht sein.)

    Melody  am  10.08.08
  9. @Melody: Ich verstehe schon, wie Du das meinst, und im Großen und Ganzen hast Du ja recht. Nur leider machen sich gerade genau die Eltern, deren Kinder es bitter nötig hätten, am wenigsten Gedanken um Vergleichsdaten und eventuelle Defizite. Erwachsene im Café sind für sich und den Ausgleich ihrer Defizite ja selbst verantwortlich. Kinder sind eben leider komplett ihren Eltern ausgeliefert…

    Ich denke daher, daß diese ganzen Tabellen, so verunsichernd sie für einzelne Eltern oft sein mögen, schon irgendwo ihre Berechtigung haben. Und sei es nur, um manchen wirklich merkbefreiten Eltern “beweisen” zu können, daß Handlungsbedarf besteht.

    In Saskias Kindergarten ist jedenfalls ein Mädchen, das ich am liebsten mit nach Hause nehmen und in jeder Hinsicht mal “auf Vordermann” bringen möchte. Diese spindeldürre Kleine ist offensichtlich nicht dumm, aber sie spricht total undeutlich und man merkt, daß sie sich nach Umarmungen etc. geradezu sehnt. Sie hat diese erschreckende graue Blässe von Kindern, die kaum ans Tageslicht kommen und mies ernährt werden. Ihre Kleidung ist unzureichend und von schlechter Qualität. Da hapert es ganz offensichtlich auf ganzer Linie - aber solange das Kind nicht nachweislich mißhandelt wird, kann man als Außenstehender nichts tun. Es ist manchmal echt frustrierend.

    Ute  am  11.08.08
  10. So gerne ich hier lese und meist zustimmend nicke, heute stößt es mir doch bitter auf.

    Denn ich habe zwei Kinder mit Sprachentwicklungsverzögerung. Im Alter von 3,5 Jahren sprachen sie für niemanden verständlich, häufig nicht mal für mich. Und sie haben nicht übermäßig ferngesehen, wurden gut erzogen, es wurde sich mit ihnen beschäftigt, viel vorgelesen und auch ausschließlich gutes Hochdeutsch eines sehr bildungsnahen Haushaltes mit ihnen gesprochen.

    Manchmal sind die Erklärungen für so etwas nicht so einfach und die geliebten Vorurteile greifen nicht. Gerade wenn man Kinder und ihre Situation noch so gar nicht kennt wie nach einer Woche Kindergarten, wäre ich mit solchen Urteilen sehr vorsichtig.

    Und wenn das Sprachverhalten der Kinder nicht mehr “ok” ist, wer sagt denn, dass die Eltern dass nicht wissen, dass da nicht dran gearbeitet wird?

    Mir scheint das Roß ein wenig hoch…

    Trotzdem liebe Grüße
    Claudia

    dasmiest  am  28.08.08
  11. @Claudia: Ich weiß ja nicht, wen Du nun konkret auf dem hohen Roß vermutest, aber ich ziehe mir diesen Schuh definitiv nicht an. In meinem Eingangsposting habe ich ja schon selbst vermutet, daß ich evtl. durch Saskia verwöhnt sein könnte. Und wenn Du die Kinder beobachten könntest, die ich meinte, dann käme Dir der Verdacht mit dem Fernsehkonsum vermutlich von ganz alleine.

    Auch liebe Grüße,

    Ute

    Terrorzicke  am  28.08.08
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