Ute Gerhardt im World Wild Web
Freitag, 01. August 2008
Echt stark?
Es ist nicht das erste Mal, daß Feedback zum Zickenterror die Formulierung enthält: “Du kommst immer so stark rüber.” Da frage ich mich dann manchmal, wie der Leser eigentlich zu diesem Eindruck gekommen ist. Es verblüfft mich immer wieder, denn ich fühle mich gar nicht so. Jedenfalls fühle ich mich nicht stärker als es die meisten anderen auch zu sein scheinen. Stur, ja. Hartnäckig, auch. Unnachgiebig, oft genug. Oder auch zu oft. Aber stark?
Es gibt in meinem Umfeld jemanden, den ich selbst als stark bezeichnen würde. Bei dem ich mir wünsche, er könnte sich - und sei es auch nur für eine Minute - wenigstens ein einziges Mal durch meine Augen betrachten. Die Bewunderung spüren, die ich empfinde, wenn ich bedenke, wie viel er in letzter Zeit weggesteckt hat und doch immer noch seinen Alltag meistert und die Zukunft in die Hand nimmt, obwohl es manchmal verd...t schwer sein muß. Wissen, daß meine Achtung genau deshalb riesengroß ist, auch und gerade wenn sein Mut immer wieder mal auf dem Null-Level ankommt. Die Dankbarkeit spüren, das “Wow!” hören, wenn ich darüber nachdenke, daß er nach allem, was ihm widerfahren ist, immer noch spontan einem Menschen einfach vertrauen kann. Das Erstaunen und wieder die Bewunderung erleben, daß trotz alledem sogar noch Kraft für Ehepartner, Familie, Freunde und deren Nöte vorhanden ist.
Das nenne ich stark. Und wenn ich mich daran messe, komme ich nicht besonders gut weg, finde ich. Dafür geht es mir auch einfach zu gut. Macht aber nichts. Neben so einem Maßstab “versagt” man ganz gerne. Geht gar nicht anders.


