Ute Gerhardt im World Wild Web
Montag, 01. September 2008
Dihse Sayte ißt für PIHSA-Obver geeiknet
Sarkastisch (ganz nach meinem Geschmack) und mit mehr als nur einem Körnchen Wahrheit: Pisa-Opfer aufgepasst.
Ich will nicht behaupten, daß mein Blog oder meine sonstigen schriftlichen Ergüsse perfekt und fehlerfrei sind. Aber ich kann für mich wenigstens in Anspruch nehmen, sie nicht mit der immer häufiger* anzutreffenden pseudo-coolen Sch...egal-Einstellung zu schreiben, mit der so mancher Schreiber den Lesern seine Ergüsse vor die Füße kotzt. Weil es ihm vollkommen schnurz ist, wenn man Mühe mit dem Entziffern seiner schlampig dahingerotzten Texte hat. Nach dem Motto: Warum soll ich mich auch noch anstrengen, wenn ich schon so gnädig bin, überhaupt etwas zu schreiben. Meine Fehler interessieren mich nicht und ich habe es auch ü-ber-haupt nicht nötig etwas dazuzulernen. Solche Texte ignoriere ich dann nicht einmal. Genausowenig wie Texte in einer ach! so originellen Dialekt-Schreibweise.
Wer jetzt den Gutmenschen spielen möchte und mir zu verstehen geben will, daß ich ob meiner Vorliebe für die Einhaltung einer einheitlichen Rechtschreibung und einer verständlichen Ausdrucksweise spießig sei, diskriminierend und arrogant, dem sei gesagt: Ja! Ist mir ein Bedürfnis! Denn nein, es ist eben nicht nur der Inhalt, der zählt! Und wenn das nächste Mal erfolgreich (oder auch nicht...) eine Suchmaschine in Anspruch genommen wird, dann wird man vielleicht auch verstehen, warum. Ich erinnere mich aus meiner Brautzeit an eine Mit-Braut, die ein Hochzeitsforum sowie eBay verzweifelt nach “Einwegkammeras” durchsuchte und bald in Tränen ausbrach, weil sie nirgendwo das Gewünschte fand. Tja…
* Nebenbei bemerkt: Ich frage mich schon länger (und ganz ernsthaft), ob der Zusammenbruch der Rechtschreibregeln im WWW daran liegt, daß immer mehr Menschen sich tatsächlich immer weniger Mühe geben, oder ob es daran liegt, daß dank Internet & Co inzwischen ungehindert Texte veröffentlicht werden können, die man “früher” mangels Gelegenheit schlichtweg nie zu sehen bekam? Weil jeder Verlag sie mit spitzen Fingern umgehend in den nächsten Mülleimer befördert hat oder hätte?
Anders ausgedrückt: Hat dank Internet tatsächlich die Qualität abgenommen? Oder nur die Dunkelziffer?
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Bravo, Ute! Mal wieder so wahr, was Du schreibst.... Wobei mein Highlight immer noch die Suche nach der Farbe “bordo” ist
, *schauder*.
Bianka am 01.09.08 -
...ich kann sogar einen bestimmten Blog nicht mehr lesen, weil ich mich so aufgeregt habe über die ständige Verwendung von “übrigends” !
Das hier ist auch lustig: http://www.idiotenapostroph.de.vu
Gruß, Jassy
Jassy am 02.09.08 -
Leider fehlt hier der “Ich knie vor Dir nieder und küsse Dir die Füße"-Smiley…
Ich kenne jemanden, der sich wie ein Schneekönig darüber gefreut hatte, dass die Domain “fernbedinung.de” noch frei war. Der Kerl ist Abteilungsleiter.
Und zu Deiner Frage: Ich glaube tatsächlich, dass beide Faktoren zutreffen.
Silke am 02.09.08 -
Beides, denke ich.
Dank Internet, dank Blogs, entwickelt sich eine Kunstform der Sprache, die es ziemlich schwer macht, zwischen korrekter Rechtschreibung und “lustigem Geschreibsel” zu unterscheiden. Die Grammatikregeln werden mit in Sternchen gesetzten Phrasen sowieso in den Boden getreten *jetzt mal ganz ehrlich sei* oder eben auch durch abenteuerliche Worte wie “ich schrub darüber” ignoriert.
Ich mag Blogs nicht lesen, die sich solcher Sprache bedienen, sei es nun, weil der/die AutorIn es nicht besser weiß oder glaubt, dass dieses Stilmittel den Inhalt aufpeppt.
Vielleicht bin ich eine arrogante Kuh, aber es stört mich. Es stört mich, wenn Kommentarschreiber Fehler machen (und ich in Versuchung bin, diese zu korrigieren). Es stört mich, wenn ein wirklich interessanter Blogeintrag von überdurchschnittlich vielen Fehlern strotzt, ich klicke weg.
(sollen wir auch noch über das gerne genutzte Denglisch reden?)Die Qualität hat vielleicht nicht abgenommen, aber wir kriegen die Mängel deutlich zu sehen, seit drei Klicks genügen, um eigene Ergüsse zu veröffentlichen.
(das ist übrigens der Grund, warum ich das “Sie” in meinem Blog so pflege. Wer siezt, überlegt, was er zu sagen hat. Und wie. Behaupte ich mal)
Frau ... äh ... Mutti am 02.09.08 -
Satelitten schüssel
Kam mir grade in einem Forum unter - wieso denke ich da sofort eine Schüssel aus weisser Keramik?
Aber generell halte ich das Internet auch für rechtschreibungsfördernd, wenn ich den Kindern und Jugendlichen in der Bibliohtek nämlich klar mache, dass ihre Suchergebnisse wesentlich besser werden, wenn sie das Suchwort korrekt schreiben
Wobei auch meine Chefin kürzlich konsequent von der “Mandarinen-Ente” sprach, die ihr bis zu jenem Gespräch allerdings komplett unbekannt war.Irene am 02.09.08 -
*LOL* Mandarinen-Ente klingt doch sehr lecker! *g*
Terrorzicke am 03.09.08 -
Nee, ich glaube nicht, dass wegen dem Internet die Qualität abgenommen hat. Ich glaube nur, dass sich wegen diesem Internet einfach mehr Leute trauen zu schreiben, die sich das früher mangels perfekter Rechtschreibung nie getraut haben, das öffentlich zu tun. Hier hilft die Anonymität. Und das sehe ich dann doch ganz positiv.
Ich muss aber für mich selber sprechen: mich hat diese Rechtschreibreform ganz schön durcheinander gebracht. Vermutlich bin ich wohl in der falschen Generation groß geworden. Ich bin ständig am überlegen, wie ist es wohl heute korrekt? Und tippe vermutlich falsch. Es ist nicht immer die Zeit da im Duden zu wühlen. Mir ist zum Beispiel aufgrund von logischen Überlegungen überhaupt nicht mehr klar, was noch zusammen geschrieben wird und was nicht. Fazit: ich schreibe die Dinge nur noch auseinander. Mir ist das mittlerweile zu blöd.
Über Fehler in den Kommentaren würde ich mich indes nie aufregen. Aus zwei Gründen: Wer sich darüber aufregt, sperrt auf – wie ich finde – etwas sehr arrogante Weise Menschen mit Rechtschreibschwächen aus. Die gibt es und davon nicht wenige. Dysplexie ist eine Krankheit. Wer diese Menschen augrund ihrer Rechtschreibprobleme disst, greift damit Behinderte an. Das werde ich nicht tun. Ich bin da empfindlich, weil mein Bruder diese Krankheit hat und ich sehr gut weiß, mit welcher Arroganz diese Menschen im Alltag behandelt werden.
Davon aber abgesehen: Ich will auch lesen, was diese Menschen zu sagen haben, sie sind mir genauso wichtig wie die, die perfekt schreiben. Der zweite Grund: Ich lese am Tag ziemlich viele Blogs und kommentiere auch ziemlich viel – schon aus Höflichkeit, weil meine Blogs relativ viele Besucher haben. Kommentare haue ich nur noch runter. Ich tippe blind und schnell. Jedoch nicht fehlerfrei. Buchstabendreher schleichen sich da von selbst ein, in Kombination mit der aktuellen «e»- und «n»-Schwäche meiner Tastatur – ich gehe davon aus, dass sich diese unbedingt weiter entwickeln wird – sind Fehler vorprogrammiert. Nein, Kommentare korrigiere ich nicht mehr extra. In der Zeit habe ich drei andere geschrieben.
Daran, dass manche Blogger in ihren Texten die Großschreibung unterlassen, habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Wer weiß, dass er da Schwächen hat und sie anderen nicht zumuten will und sich für diese Schreibweise entschieden hat, die international gesehen auch sinnvoll ist (ja, ist sie für jeden, der täglich zwei Mails oder Kommentare in englisch verfassen muss, das können andere möglicherweise gar nicht verstehen!), hat mein volles Verständnis. Auch wenn es mir am Anfang sehr schwer gefallen ist.
creezy am 03.09.08 -
Nun seid aber auch nicht päpstlicher als der Papst. Schlimm ist es auf jeden Fall, ich plädiere allerdings mehr für die Dunkelziffer. Zwar hat mit Sicherheit mit dem Internet, und zB auch den Onlinespielen dieses Phänomen zugenommen, allerdings sollte man auch bedenken, dass ohne Internet bei einem persönlichen Gespräch einfach vieles garnicht auffallen würde, was im Internet falsch geschrieben wird. Gegeben hat es meiner Meinung nach “Rechtschreibefehler” also auch schon vorher in Hülle und Fülle und gibt es auch immer noch in diesem Bereich.
Wobei - auch “offline”, also im “Real-Life” findet diese Sprachvergewaltigung ja in schillernden Farben statt, was dann allerdings auch eher in Modewörter oder Anglizismen ausartet. Und das ist meiner Meinung nach nicht zwingend ausschlieszlich auf das Internet zurückzuführen.
Das fängt ja schon im Radio (gut, nicht zwingend auf WDR4, aber warum ich auf 1Live zB “voten” soll und nicht abstimmen kann, verstehe ich nicht) an, geht im TV weiter (Abendprogramm der Privaten, “Ich zieh jetzt mein Jacket aus. Das war performerisch devil, der Burner” Häh?) und wird sicher (ich hab schon ewig keine mehr gelesen) in diversen Jugendzeitschriften ebenfalls zelebriert.
Wie soll man da noch gegen die geballte Macht der Medien ankommen?
Frau Mutti, wenn Du das mit dem Siezen schaffst, Respekt. Trotzdem find ich Siezen im privaten Internet irgendwie komisch.
Und ich denke auch, gerade durch die vielen Anglizismen verschwimmt die Grenze in der Sprache, so dass es kein weiter Schritt mehr ist überhaupt keine Grenzen mehr zu kennen, wobei die “Internetsprache” auch ein Phänomen für sich ist und es auch wichtig ist WER da schreibt (ob ein Erwachsener oder eine Dreizehnjährige). Das Problem ist meistens nur, dass man das nicht auf den ersten Blick sieht. Und vor allem auch WO was geschrieben wird.
Die Ecken zu meiden, wo Internetsprache in ihrer Hochkultur betrieben wird ist daher auch okay. Ich gucke mir ja auch keine Filme mit Tom Cruise an, wenn ich ihn voll derbe aggro finde .. ich meine .. ihn nicht mag.
Als ich gestern Abend folgendes bei Herrn Retrolum las, musste ich spontan an diesen Beitrag hier denken: http://retrolum.de/2008/08/30/die-abholung/
Das scheint übrigens bei Ebay-Konversationen öfter ein Problem zu sein, erst einmal zu verstehen, was das Gegenüber denn möchte.Martin am 03.09.08 -
@Creezy: Ich bilde mir zumindest ein
beim Lesen ein Gefühl dafür zu bekommen, wer eine echte Rechtschreibschwäche hat und wer einfach nur deshalb nach Gehör schreibt, weil ihm alles andere zu mühsam ist. Es gibt ein Blog/Tagebuch auf meiner Blogroll hier links, das starrt vor Fehlern übelster Art. Aber mir war schon beim ersten Besuch klar: Da schreibt jemand, der gibt sich alle Mühe und korrigiert auch so gut wie möglich - aber er kann es einfach wirklich nicht besser.
Was Tipper und Verdreher angeht: Klar passieren die. Zwangsläufig. Vor allem in Chats, wo es mich dann nicht wirklich stört, denn bei einem derart schnellen Medium liegt es in der Natur der Sache. Aber in Foren, Blog, Mails und Blog-Kommentaren? Da lese ich meine Texte eben nochmal Korrektur und korrigiere notfalls und wenn möglich auch nachträglich. Und wenn ich mir ganz unsicher bin, schaue ich durchaus auch mal bei duden.de vorbei. Dies zu unterlassen empfände ich persönlich als respektlos meinen Lesern gegenüber. Aber vielfach spürt man ganz genau, daß der Text einfach hastig abgeschossen wird, mit der Einstellung “Sollen sich die anderen doch damit rumschlagen”.
Un was des Dialegtschraibe ohgeht: Des verschdehisch werklisch ned, warumm ärschendähner des so mache wolle sollt. Soll des kuhl sei, hea? Ned werklisch, oda? Wennisch ähm was saache will, mussisch scho in demseiner Schpraach middem redde, mähnsch ned aah?
Warum sollte ich als Leser mehr Geduld und Mühe aufwenden müssen als der Autor selbst beim Schreiben aufzuwenden bereit ist? Sehe ich gar nicht ein. Hat was von Schmarotzertum. Vor allem in Foren, wo dann auch noch Tips und Antworten erwartet werden.
Terrorzicke am 03.09.08Seite 1 von 1 Seiten




