Ute Gerhardt im World Wild Web

 

Freitag, 19. April 2002

Wieder da

So, um einen Sonnenbrand bereichert und eine Reihe Stunden Schlaf beraubt sind wir letzte Nacht wieder in Dortmund angekommen. Rom an sich war toll, eine wirklich sehenswerte Stadt mit vielen Attraktionen. Aber das ewige Sich-durch-die-Menschen-wühlen (und es ist wirklich ein Wühlen), ging mir zum guten Schluß doch ziemlich auf die Nerven. An Schlaf war dank miserabler Betten auch nicht zu denken und dann noch die ewigen Fußmärsche… Kurzum, ich bin tierisch müde, gereizt und fertig, und eigentlich hatte ich mir vorgenommen, wenigstens die nächsten paar Tage mal ohne Streß und in aller Ruhe zu verbringen, ohne irgendwelche Verpflichtungen, ohne Menschenmassen und vor allem ohne Smalltalk mit aufgesetztem Lächeln. Das hatte ich wohl auch angedeutet, aber wohl nicht deutlich genug… Denn es wird nichts draus, wie ich heute morgen erfuhr. Besuch (allerdings nicht meiner und mir auch völlig unbekannt), der sich heute um 06:30 Uhr(!) für morgen angekündigt hat. Na klasse, von 10 Tagen Urlaub bleibt kein einziger Tag zum Ausschlafen oder Ausspannen übrig.

Bisher sind alle Urlaubstage, die ich dieses Jahr schon genommen habe, für Streß pur draufgegangen, auch und gerade in Rom. Und nun auch noch heute --panikartiges Einkaufen nach wieder einmal zu wenig Schlaf, Arbeitszimmer (auf)räumen, Wohnung putzen, Bett machen, schnell noch alle Telefonate vorher erledigen… --, plus morgen, plus Sonntag und vielleicht auch noch Teile vom Montag. Na klasse. Ernsthaft und bei allem Verständnis für Long-Distance-Freundschaften: Wenn das bis Montag geht, gehe ich jedenfalls ins Büro und sage meinen Urlaubstag ab. DEN lasse ich nicht auch noch dabei draufgehen, und es ist mir völlig egal, ob es dann lange Gesichter gibt!

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Sonntag, 14. April 2002

Entscheidungsfindung

Er: “Ich denke nach, ob ich mir den Zweitcomputer kaufen sollte.”
Sie: “Soll ich mit nachdenken?”
Er: “Nee, dann kommt ja nicht dabei heraus, daß es sinnvoll wäre!”

Also wurde der Compi, bzw. seine Komponenten, gestern gekauft… *grins*

So, gleich geht’s ab nach Rom, Freitag bin ich wieder da. Schöne Woche Euch allen!

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Freitag, 12. April 2002

Telefon, die 2.

Ich verstehe es einfach nicht. Warum und wieso muß jeder verpaßte Telefonanruf unbedingt sofort beantwortet werden, sobald in der Anruferliste ein neuer Eintrag sichtbar wird? Kaum ist der letzte Mantelärmel auf dem Bügel oder der letzte Tropfen im Handtuch gelandet, wird zum Hörer gegriffen, nur weil irgendjemand anders—egal wer!—irgendwann mit einem sprechen wollte. Tut mir leid, aber ich finde das bei einigen Personen wirklich langsam beängstigend. Gestern habe ich es schon wieder erlebt. Für das Telefon lassen einige Leute jeden Plan platzen, jede schöne Stimmung und jeden Gedankenfluß Knall auf Fall kaputtgehen. Besten Dank auch! Es kann doch nicht sein, daß alle Anrufer, egal ob Hinz, Kunz oder der Papst, generell wichtiger eingestuft werden als bereits mit Dritten getroffene Vereinbarungen?

Was???, bitte was??? steckt bloß dahinter? Angst vor dem Alleinsein? Angst, etwas zu verpassen? Angst, daß eine Freundschaft zu Bruch gehen könnte, nur weil man nicht gleich Gewehr bei Fuß bereitsteht, sobald der andere schreit? Na, auf solche Freundschaften würde ich sowieso pfeifen! Ich kann mich auch noch gut an den entsetzten Blick meines ehemaligen Englischlehrers erinnern, als er einmal bei mir zu Gast war und ich dem penetrant dauerklingelnden Telefon kurzerhand die Verbindung zur Anschlußdose entzog. Er sah drein als hätte ich jemanden umgebracht…

Manchmal wirft man mir vor, ich sei ein Einzelgänger (stimmt, und ich bin es gerne!), aber wenigstens verfüge ich zum Großteil noch selbst über meine Freizeit und lasse mich nicht von einem Flüssigkristalldisplay herumkommandieren. Ich hasse es, vereinnahmt zu werden und lasse dies schlichtweg nicht zu! Ich habe auch Freunde, aber sie alle wissen und respektieren(!), daß ich nur dann ans Telefon gehe, wenn mir wirklich danach ist und ich auch wirklich Zeit für sie habe. Wenn ich eben nicht gerade kuschelnd mit meinem Freund im Bett liege oder auf dem Weg dahin bin, oder esse, oder koche, oder Besuch habe. Eben dann, wenn es gerade auch in meinen/unseren Tag hineinpaßt—nicht nur in den des Anrufers. Wer das nicht versteht, der kann mich mal. Kreuzweise.

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Donnerstag, 11. April 2002

Was

Was treibt eine fast komplett blinde Frau dazu, Schmuck, Porzellan, Bleikristallgläser, Tafelsilber, Teppiche und Zinn zu sammeln? Sachen, die sie nie auch nur richtig sehen und nur äußerst selten benutzen konnte? Für Zigtausende von Mark, selbst nach den Rechnungen der 70er-Jahre gerechnet?

In der Familie verstehen wir es alle nicht, aber so war sie, meine erste Mutter. Und nun sitzen wir seit Jahren auf dem Zeug und wissen nicht, wohin damit. Bis gestern, denn da habe ich den Schmuck meiner Mutter verkauft, zumindest den Teil, den meine Stiefmutter damals nicht übernommen hat. Er gefiel mir nicht, er stand mir nicht, ich habe in 8 Jahren einige Stücke einmal getragen, und dann nie wieder. Ich bereue es nicht, ich will es auch nicht wiederhaben, aber irgendwie habe ich jetzt doch ein komisches Gefühl… Weil ich das ganze Zeug “einfach so” verkauft habe. Und weil ich mich seit dem Verkauf irgendwie befreit fühle.

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Mittwoch, 10. April 2002

Spielereien

Gefunden bei Niela: .:|Lego Build|:..
Wieder mal typisch für mich, daß ich einfach nicht die Maus von sowas lassen kann. *g*

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Montag, 08. April 2002

Strohwitwe

Marc ist auf einem Seminar in Wiesbaden und ich mache eine Bestandsaufnahme all der Dinge, die ich schon immer mal “zwischendurch” erledigen wollte. Au weia… Ich denke, ich werde mit dem Ausmisten der alten Studienunterlagen anfangen, denn die nehmen einfach zu viel Platz weg. Das ganze Gekritzel aus meiner Hand ist ja sowieso inzwischen überholt bzw. auch in den Fachbüchern wiederzufinden. Und danach werden all die Leute zurückgerufen, die bei dem Chaos gestern am Telefon nicht durchkamen und jetzt in der Anruferliste stehen. Alles in allem wird’s dann wohl wieder ein langer Abend. Dabei wollte ich so gerne endlich in Herr der Ringe weiterlesen…

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Freitag, 05. April 2002

Age doesn’t really matter - unless you are a cheese.

Trotzdem mußte ich hierüber grinsen:

Auswertung:
Ihr aktuelles Alter beträgt: 33,0 Jahre
abzüglich: -7,8 Jahren
Ihr biologisches Alter beträgt demnach: 25,2 Jahre

25 bis 27 ist nämlich so in etwa das Alter, auf das mich tatsächlich die meisten schätzen. Schon mehr als einer ist aus allen Wolken gefallen, wenn ich erzählte, daß ich bereits einen Magister und sieben acht Jahre Berufserfahrung habe. *g*

(Der Test ist zwar schon auf einer Reihe von Websites verlinkt worden, aber der Vollständigkeit halber nenne ich ihn hier noch einmal: http://www.focus.de/D/DG/DGA/DGA06/DGA06E/dga06e.htm)

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Verloren

Die Kreditkarte. Na, das war vielleicht ein Schreck! Natürlich habe ich sie sofort sperren und überprüfen lassen, ob seit letzter Woche noch jemand etwas damit angestellt hat, aber so kurz vor dem Rom-Trip am 14. ist der Verlust natürlich Mist. Angeblich soll die Neue ja schon mitsamt PIN bis Donnerstag bei mir sein, aber wer weiß… Michaels neue Karte hatte damals 3 Wochen benötigt, erzählte er mir am Telefon. Wenn ich bloß wüßte, wo und wie mir das Ding abhanden gekommen ist??? Alle anderen Karten aus dem Etui sind noch da, nur die eine nicht! Nun ja, wenigstens kann ich nun im April keine unnötigen Ausgaben tätigen. ;-/

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Donnerstag, 04. April 2002

Einkaufstrips

Weiß ja jeder, daß Einkaufen zur Droge werden kann. Und daß man mit Drogen manchmal auch Höllentrips erlebt. *g* Ganz so schlimm war es zwar gestern nicht, aber trotzdem bin ich froh, daß der Spaß jetzt erst einmal für eine Weile vorbei ist, denn außer einer Hose haben Marc und ich alles gefunden, was wir haben wollten. Eigentlich wollten wir gestern abend noch tanzen gehen, haben dieses Vorhaben aber aufgrund des Protests unserer Füße schnell wieder aufgegeben…

Fernsehempfang haben wir noch immer nicht. Als ich gestern noch einmal bei ISH anrief, fragte mich der Kerl an der Hotline doch tatsächlich, warum ich mich nicht schon eher gemeldet hätte, wenn die Störung jetzt schon 10 Tage dauert. Scherzkeks! Haben die keine Datenbank, wo frühere Kundenanrufe und -hinweise vermerkt werden? Dann wäre es kein Wunder, daß noch nichts erledigt ist. Naja, was soll’s, das Fernsehen hat bei mir ohnehin keinen sehr hohen Stellenwert. Wenn Marc nicht wäre, hätte ich den Ausfall vielleicht bis jetzt noch nicht einmal bemerkt.

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Mittwoch, 03. April 2002

Sklaven

Ich weiß nicht, was es ist, das Handy- oder auch nur Telefonbesitzer aus jeder laufenden Unterhaltung heraus panikartig zum Hörer greifen läßt, sobald sie auch nur den Verdacht haben, daß der dazugehörige Apparat geklingelt haben könnte. Beim Essen, beim Sport, bei gemeinsamen Unternehmungen mit Freunden (und erschreckend oft beim Autofahren, wo noch dazu Menschenleben gefährdet werden könnten)—egal. Es kommt so verd$*#! selten vor, daß entweder der eine wenigstens fragt, ob er gerade stört, oder der andere von sich aus sagt: Ich habe gerade keine Zeit, ich habe Besuch (/ bin beim Essen / bin im Restaurant / bin mit Freunden zusammen / bin beim Sport / ...), ich rufe demnächst zurück. Der Klammergriff des Telefons ist vergleichbar mit dem einer Boa Constrictor: Der Angerufene liefert sich freiwillig(!) dem Würgegriff aus, läßt alles andere und jeden anderen stehen, und der Anrufer seinerseits denkt nicht im Traum daran, seinen Gesprächspartner wieder loszulassen.

Von dem für Umstehende nervtötenden Gepiepse, Gebimmel, Gedudel und anschließendem zusammenhanglosen Geblubber jetzt mal ganz abgesehen: Hat sich einer von diesen Telefonsklaven überhaupt mal überlegt, welchen Stellenwert er mit diesem Verhalten demjenigen zuweist, mit dem er sich gerade zuvor “live” unterhalten hatte? Einen ziemlich niedrigen nämlich: “Ach, die Unterhaltung mit Dir ist nicht so wichtig, dabei darf mich jeder unterbrechen, auch wenn ich noch gar nicht weiß, wer es ist und worum es geht, auch, wenn das Essen kalt wird, das Du für mich gekocht hast, auch wenn Du gleich den Zug nach Hause nehmen mußt.” Ja geht’s denn noch, Leute???

Wie weit sind wir eigentlich gekommen, daß wir meinen, jederzeit für jeden erreichbar sein zu müssen? Daß wir es nicht schaffen, “Nein” zu sagen und uns auf die Person zu konzentrieren, die uns gerade gegenübersitzt oder -steht? Daß wir solche Angst haben, etwas zu verpassen? Daß wir zu solchen Sklaven dieser kleinen Geräte und vor allem der Benutzer am anderen Ende verkommen sind? ‘Cause let’s face it: Es ist genau die Einstellung eines Sklaven, der eine wie auch immer geartete Strafe befürchtet, falls er nicht sofort zur Stelle ist, sobald sein Herr ihn ruft. Und auf der anderen Seite die Erwartungshaltung des Sklavenhalters: Wenn ich jemanden (an)rufe, hat der gefälligst zur Stelle zu sein. Doch das Schlimmste daran ist, daß dieses rücksichslose Verhalten auf beiden Seiten nicht nur toleriert wird, sondern inzwischen sogar schon als “Lifestyle” gilt. Man läßt sich versklaven und findet das auch noch hip oder zumindest praktisch! Au Backe…

Arzt im Notdienst? Lasse ich gelten. Geschäftsmann mit wichtigen Terminen? Nur eingeschränkt. Bezogen auf seinen “Live"-Geschäftspartner handelt es sich auch hier um eine Herabwürdigung. Man muß sich das einmal überlegen: Person A hat vielleicht stundenlange Bahn- oder Autoreisen auf sich genommen, um sich mit gerade diesem Menschen unterhalten zu können, ist früh aufgestanden, dementsprechend müde und hat auch nur eine begrenzte Stundenzahl zur Verfügung—und dann beginnt der Gesprächspartner (zuweilen 30 Minuten lang und länger) mit Person B zu telefonieren, die gerade erst beschlossen hat, daß es ihr jetzt ganz gut in den Kram passen würde, diesen Menschen zu sprechen. Welcher aber doch eigentlich Person A versprochen hatte, sich Zeit für sie zu nehmen? Das Gleiche gilt vermehrt in Läden und Kaufhäusern aller Art: Wenn das Telefon bimmelt, wird jeder in Fleisch und Blut anwesende Kunde stehen gelassen. Schlimmer noch: Alle anderen evtl. Anwesenden fühlen sich in den meisten Fällen auch noch zum Flüstern verpflichtet—sie könnten ja sonst das heilige Telefonat stören!

Was lernt Person A oder der Kunde daraus? Na logisch: Wer anruft, hat Vorrang. Jeder. Immer. Also komme ich nicht mehr wieder, sondern rufe nur noch an. Hier werden Telefon sei Dank indirekt nicht nur Terminabsprachen willkürlich gebrochen, sondern es wird erwachsenen Menschen erlaubt (und sie erlauben sich auch selbst!), was jedem Kleinkind mit erhobenem Zeigefinger verboten wird: Nämlich rücksichtslos dazwischenzuquatschen, wenn zwei andere sich unterhalten. Ohne (sich) auch nur zu fragen, ob die Störung gerade annehmbar ist! Was kommt denn analog hierzu als nächstes, frage ich mich? Die generelle Mißachtung der Vorfahrtsschilder auf den Straßen vielleicht?

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