Ute Gerhardt im World Wild Web

 

Freitag, 05. Dezember 2008

Notizen aus der Arbeitswelt

Als ich nach der Elternzeit im Februar wieder hier anfing, unterhielt ich mich auch ein wenig mit einer schon immer gut informierten Kollegin und fragte sie nach den jüngsten Entwicklungen und der Stimmung im Unternehmen und am Standort. Sie meinte, sie sei das Gejammer vieler Kollegen langsam leid, denn manche Dinge würden sich eben nun mal ändern und irgendwann sei der Zeitpunkt erreicht, wo man sich entweder damit abfinden oder halt die Konsequenzen ziehen müsse. Das hat an sich wohl einen wahren Kern. Aber der Geschäftsleitung ganz oben bläst trotzdem inzwischen aus vielen Richtungen der Wind von ganz unten ins Gesicht. Sehr direkt, ohne Vermittlung über das restliche Management. Da ist ein Stadium erreicht, das im Grunde allerhöchste Alarmstufe signalisieren sollte. Aber ich möchte wetten, der Flächenbrand wird ignoriert werden, bis es zu spät ist und das Unternehmen um die besten Mitarbeiter ausgeblutet ist.

Gestern bin ich außerdem noch zufällig auf das Portal ”www.glassdoor.com” gestoßen. Eigentlich könnte sich unsere Geschäftsleitung ihre dusseligen jährlichen Mitarbeiterumfragen sparen. Wenn sie mal die Wahrheit wissen wollen, wie ihre Angestellten über sie und die Firma denken, reicht jene Website völlig aus. Da werden dann nicht nur die Lobeshymnen aus den Billiglohnländern akkumuliert und zu schöngefärbten Statistiken fürs Management aufbereitet.

Diese Dame wird das Unternehmen verlassen. Dieser Herr knallt sein Team weiterhin gnadenlos und hintenrum mit seinen eigenen Aufgaben zu und treibt seine Spielchen offenbar immer noch wie gehabt - nur gottseidank nicht mehr mit mir.

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Donnerstag, 04. Dezember 2008

Auszeit?

Das sagt sich immer so leicht - “sich eine Auszeit nehmen”. ”Fahr doch mal weg!” ”Mach doch mal eine Mutter-Kind-Kur!

NEIN! Nein, nein und nochmal nein! Ich will nicht irgendwohin flüchten müssen, um meine Ruhe zu haben! Und schon gar nicht will ich eine Mutter-Kind-Kur, nach der die meisten Mütter noch matschiger, kränker und geschaffter nach Hause kommen als sie vorher waren! Ich will mal zur Abwechslung in meinem eigenen Bett ausschlafen dürfen, in Ruhe essen dürfen, klassische Musik hören, ohne daß jemand dazwischenquakt, lesen, surfen oder was auch immer. Einfach mal mein eigenes Zuhause genießen, ohne irgendwem hinterherputzen zu müssen oder ständig jemanden am Bein kleben zu haben, der irgendetwas will, beschäftigt werden muß, herumkreischt, die selbe Frage tausendmal stellt, das selbe Liedchen fünfzigmal hintereinander schief durchs Haus posaunt oder irgendetwas kaputtmacht! Die letzte Woche war ja ein Versuch, meinen Wunsch mal in die Tat umzusetzen - und prompt wurde mir die gesamte Woche Tag für Tag durch irgendeinen Mist systematisch verdorben.

Ein Teil meiner Müdigkeit ist sicher auch dadurch bedingt, daß meine Freizeit erst abends nach acht Uhr anfängt, wenn die Kinder beide im Bett sind, der Tisch abgedeckt und -gewischt, die Wäsche in der Maschine, die Post sortiert, die gröbste Unordnung beseitigt, der Müll rausgebracht, etc. Auch am Wochenende. Wenn ich nicht komplett durchdrehen will, bleibt mir gar nichts anderes übrig, als dann noch wenigstens zwei oder drei Stunden wach zu bleiben, um neben dem dann noch zu erledigenden Kram wenigstens ein klein wenig Zeit für mich ganz alleine zu haben. Und morgens um viertel nach sechs bin ich eben wieder auf der Arbeit und der Trott geht wieder von vorne los.

Mein Problem ist, daß ich im Grunde schon immer ein Einzelgänger war. Schon als Kind habe ich Menschenmassen gehaßt wie die Pest, laute Feiern gemieden wie der Teufel das Weihwasser und mich stundenweise alleine mit einem Buch irgendwohin verkrochen, ohne jemals etwas oder jemanden zu vermissen. Ich bin nicht gesellig. Überhaupt gar nicht. Mein Geburtstag mit 10 Gästen letztes Jahr war die größte Feier, die ich für mich selbst je veranstaltet habe. Viel größer wird auch der 40. im April nicht werden, weil es mich rappelig und aggressiv macht, wenn ich zu lange zu viele Leute um mich herum habe. Danach brauche ich immer wieder eine bestimmte Zeitspanne, um alleine wieder aufzutanken. Diese Zeit ist es, die mir momentan fehlt. Bzw. sie fehlt in Form von Schlaf meinem Körper, wenn ich sie mir abends dennoch einfach nehme. Was mich dann aber genauso an die Grenzen meiner Belastbarkeit bringt. Das wird irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes. Ganz fatal ist nämlich die momentane Kombination aus Schlaf- und Zeitmangel. Ich habe auf der einen Seite das Gefühl, von allen Seiten zerpflückt zu werden, während mir der Schlafmangel die Möglichkeit nimmt, diese Belastung wenigstens körperlich auszuhalten. Ich funktioniere noch, aber im Grunde kann ich nicht mehr, kränkele immer öfter herum und sehe alles grau in grau.

Ich weiß momentan nicht, wie ich aus diesem Patt wieder rauskommen soll. Ich kann nicht alles auf Marc abwälzen, das wäre nicht fair, denn im Grunde geht es ihm ja auch nicht besser. Er ist zwar im Gegensatz zu mir ein Herdentier, arbeitet aber auch eine Menge und will ja auch noch Zeit für seine Belange haben, sonst ist er bald am selben Punkt wie ich.

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Streetgirl

Streetgirl schreibt klasse. Ich weiß gar nicht, was mich an ihrem Blog am meisten fasziniert. Die Berichte an sich, oder Streetgirls erstaunliche Art, ihre Erlebnisse gleichzeitig sachlich und witzig oder auch nachdenklich zu schildern. Fest steht jedenfalls, daß - von Ärzten und Bestattern vielleicht abgesehen - wohl wenige Berufsgruppen von sich behaupten können, ihre Mitmenschen so direkt und ungeschönt kennenzulernen. Auch das macht das Blog absolut lesenswert.

Leider scheint Streetgirls Blog keinen Archivlink zu haben. Wer sich also von hinten nach vorne durchlesen möchte, sollte hier anfangen.

Rubrik: Gefunden | 0 Kommentare, 3 mal gelesen | Permalink

Overkill

Herrje, ich höre ja oft und gerne Radio, aber die aktuelle Rosenstolz-Welle geht mir ganz gewaltig auf die Nerven. Ich kann diesen Singsang echt nicht mehr hören!

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Mittwoch, 03. Dezember 2008

So isses

Der Einfachheit halber unterschreibe ich diesen Eintrag bei Tanja.

Lustig ist übrigens auch, wenn ich jemandem etwas persönlich erzähle, was auch im Blog steht, und dann gefragt werde: ”Ja hast du denn nicht gesehen, daß ich schon dein Blog gelesen habe?
Ähm… Webstatistiken sind ja zum Teil sehr aussagekräftig, aber so detailliert nun auch wieder nicht. Solange ich nicht weiß, daß jemand über einen sehr exotischen Provider und/oder mit einer sehr außergewöhnlichen Systemkonfiguration ins Web geht, kann ich meine Besucher höchstens regional eingrenzen, indem ich den Standort ihrer IP z.B. bei Utrace nachsehe. Und selbst das ist nur ein ungefährer Anhaltspunkt zur geographischen Lage, mehr nicht. Da kann es dann sein, daß mir als Standort beispielsweise Dortmund angezeigt wird, der Besucher aber tatsächlich in Hamm, Unna, Schwerte, Kamen oder sonstwo im Umkreis wohnt und surft. Oder umgekehrt. Noch dazu habe ich auf solche Detektivarbeiten bei ca. 400 Besuchern pro Tag absolut keine Lust. Schon gar nicht täglich. Und um der Wahrheit die Ehre zu geben, interessiert es mich auch nicht. Mich interessiert hauptsächlich die prozentuale Browserverteilung und ihre Entwicklung, die meistbenutzte Bildschirmauflösung, von welchen Links die Besucher hierherkommen etc.

Themenwechsel: Ich bin immer noch todmüde. So langsam steht das in keinem Verhältnis mehr zum eigentlichen Schlafmangel.

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Montag, 01. Dezember 2008

Bruchstücke

Tobias gefällt es bei der neuen Tagesmutter gut; der erste Tag verlief bereits problemlos. Damit hat sich eine meiner Hauptsorgen in Luft aufgelöst.
Nichts geändert hat sich an der Tatsache, daß ich mich leerer und leerer fühle und teilweise vor Müdigkeit keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Hier ist jetzt Pause. Ich mag nicht wohlüberlegt formulieren und berichten. Ich will überhaupt nichts formulieren oder berichten. Schöne Adventszeit Euch allen, und gegebenenfalls auch schöne Weihnachten.

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168 Stunden

Innerhalb einer einzigen Woche

- gibt eine Firma ein Rekordergebnis im gerade vergangenen Geschäftsjahr bekannt,
- bedankt sich überschwenglich bei den Mitarbeitern und gibt ihrem Stolz auf letztere Ausdruck,
- cancelt alle Weihnachtsfeiern und -geschenke,
- verkündet das Einstellen jeglicher Gehaltserhöhungen und Extraboni, die über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinausgehen,
- verhängt einen internen Reisestop,
- und verkündet das Zusammenstreichen von Schulungsmaßnahmen

In genau dieser Reihenfolge.

Due to recent budget cuts and the cost of electricity, gas and oil, as well as current market conditions and the continued decline of the U.S. economy, The Light at the End of the Tunnel has been turned off. We apologize for the inconvenience.

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Sonntag, 30. November 2008

Adventskalender

Wie schon vor ein rund zwei Wochen angekündigt, habe ich auch in diesem Herbst wieder einen virtuellen Adventskalender vorbereitet, dessen Türchen sich jeweils um Mitternacht automatisch öffnen. Im Gegensatz zu den letzten Jahren wird es diesmal weitaus weniger Downloads geben und dafür mehr Online-Inhalte. Nicht nur Spiele und Rätsel, sondern auch einfach “nur” schöne, interessante und lustige Links aus verschiedensten Themenbereichen. Ein Klick links auf den Kalender und es kann losgehen. Viel Spaß!

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Samstag, 29. November 2008

Sag’ ich doch

Gestern mittag rief unsere bisherige Tagesmutter bei Marc auf dem Handy an und teilte ihm mit, daß sie noch bis Mittwoch nächster Woche ausfällt. (Und ich wette abermals: Dabei wird es nicht bleiben.)

Ein paar Stunden später hatte ich eine fette Mandelentzündung und 38,9°C Fieber. Wenn ich zynisch wäre, würde ich sagen: “Endlich, hier ist meine Notbremse.” Inzwischen, nach 12 Stunden Schlaf, ist zumindest das Fieber aber auf 37,5 runter. Außerdem wollen wir heute abend noch mit einem befreundeten Paar in ein Konzert. Und das lasse ich mir nach dieser besch...enen Woche garantiert nicht auch noch verderben.

Und was die Kinderbetreuung bzw. deren Ausfall angeht: Von mir aus. Das ficht mich nicht mehr an. Die neue Tagesmutter hat gestern zusammen mit ihrem Sohn im Sturm Tobias’ Herz erobert und war auch schon vom Jugendamt vorgewarnt, daß sie evtl. schon ab Montag als Ersatz einspringen muß. Das sollte also das geringste Problem sein.

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Freitag, 28. November 2008

Junk Science

Eine Religionslehrerin klärt Kinder der dritten Klasse auf, daß es keinen Weihnachtsmann gibt. Und erhält daraufhin einen bitterbösen Brief von der Mutter eines der Kinder. Weil es ja schließlich Elternsache sei, wann man sein Kind dahingehend aufklärt. Bzw. ob überhaupt.

Übertragen wir diese Logik spaßeshalber doch mal auf das Thema ”Intelligent Design”…

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